Zehn Tage lang arbeiteten, forschten und lebten wir zusammen im sogenannten „ArToll Kunstlabor“ in Bedburg-Hau. Sieben Künstlerinnen diverser Disziplinen waren dabei:
Ulrike Greve, Irmgard Hofmann, Doris Kohlhas, Anja Kleemann-Jacks, Sidika Kordes, Stefanie Pung und Ricarda Rommerscheidt.
Unter unserem Projekt-Titel „Gestalt und Zustand“ untersuchten wir die Wirkung und Geschichte der (fremden) Räume auf unseren inneren und äußeren Zustand - und somit auch auf unsere Werke.
Hier ein paar Eindrücke unserer gemeinsamen Zeit - weitere Fotos folgen bald:
Das historische ArToll-Jugendstil-Gebäude, in dem wir wunderbar großzügige Arbeitsräume vorfanden, befindet sich auf einem weitläufigen Parkgelände der dortigen LVR Klinik. Sie wurde bereits 1912 als „Heil- und Pflegeanstalt“ eröffnet.
Seitdem ist dies ein Ort medizinischer Behandlung und Betreuung von Menschen mit psychischen und neurologischen Erkrankungen.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Klinik Schauplatz von Gewalt und systematischer Vernichtung:
„Im März 1940 begannen dann die in der Geschichte der Euthanasie einmaligen Massendeportationen aus Bedburg-Hau. Innerhalb von 4 Tagen wurden damals 1.632 Patienten verlegt. Hierdurch sollte Platz für ein Marinelazarett mit einer Kapazität von 2.000 Betten geschaffen werden. Von diesen 1.632 Patienten sind nach Eintragungen in unseren Aufnahmebüchern die 792 nach Grafeneck, Zwiefalten und Brandenburg deportierten Patienten alle ermordet worden.“ (Zitat LVR-Museums-Seite: https://klinik-bedburg-hau.lvr.de/de/nav_main/unsere_klinik___ueber_uns/museum/rundgang/raum_1/raum_2.html#section-213700)
Heute steht der Ort zugleich für Veränderung und für die Entwicklung psychiatrischer Behandlung. Er fordert dazu auf, sich zu erinnern, sich immer wieder mit der Würde aller Patient*innen und der Menschenwürde im Allgemeinen zu beschäftigen.
Ich persönlich erkundete die ersten Tage die Räume körperlich-performativ zusammen mit Ulrike Greve, teils fotografisch begleitet von Doris Kohlhas.
Später schrieb ich Texte, zeichnete, malte und versuchte die Spuren einzufangen, die ich wahrnahm und nach Recherchen in der psychiatrischen Behandlung der frühen Jahre bis heute gefunden hatte.